Nach einem beispiellosen Anwachsen der Weltbevölkerung - auf das Vierfache in knapp 100 Jahren - wird die demographische Entwicklung im 21. Jahrhundert durch niedrigere Zuwachsraten und einen ausgeprägten Alterungsprozess gekennzeichnet sein. Ende des 20. Jahrhunderts gab es 6 Milliarden Menschen auf der Welt, 2050 werden es wahrscheinlich 9 Milliarden sein. In den reichen Ländern wird die Geburtenrate weiter sinken, in den armen Ländern dagegen auf hohem Niveau verharren.
Die oft angekündigte »Bevölkerungsexplosion« wird es nicht geben - jedenfalls nicht in dem katastrophalen Ausmaß, das Experten noch vor wenigen Jahren prophezeit haben. Immerhin wird der demographische Zuwachs so stark ausfallen, dass die Zukunftsperspektiven der am wenigsten entwickelten Länder nachhaltig davon beeinträchtigt werden.
Offiziell erreichte die Weltbevölkerung die 6-Milliarden-Grenze im Oktober 1999, am Ende eines Jahrhunderts, zu dessen Beginn gerade einmal 1,5 Milliarden Menschen den Globus bevölkerten. Zu diesem spektakulären Zuwachs kam es trotz ungeheurer Verluste an Menschenleben durch Kriege, Massaker und Epidemien. Angesichts eines derartigen Wachstumstempos gingen alarmierende Hochrechnungen davon aus,
dass die Weltbevölkerung bis auf 1,2 Milliarden ansteigen und Ende des 21. Jahrhunderts die 2,4 Milliarden-Marke erreichen würde. Inzwischen haben die Demographen ihre Prognosen nach unten revidiert. Angaben des UN-Bevölkerungsfonds (UNFPA) wird die Menschheit im 21. Jahrhundert zwar weiter anwachsen, aber lange nicht mehr so schnell.
Nur in Subsahara-Afrika wird die Bevölkerung trotz des zu erwarter Massensterbens aufgrund von Aids in den kommenden 50 Jahren von derzeit 600 Millionen auf 1,2 Milliarden verdoppeln. Wie groß die Weltbevölkerung im Jahr 2050 tatsächlich wird, hängt laut Weltbevölkerungsbericht des UNFPA aus dem Jahr 2001 davon ab, ob es gelingt, in verschiedenen Ländern den Bevölkerungszuwachs zu stabilisieren.
Die Verlangsamung des demophischen Wachstums rührt daher, dass wichtige Länder in die Phase des »demographischen Übergangs« eintreten, den die reichen Länder Westeuropas bereits vor über hundert Jahren vollzogen haben. Diese Phase ist gekennzeichnet durch sinkende Geburtenraten (bedingt durch Frauenemanzipation, Industrialisierung, Urbanisierung und bevölkerungspolitische Maßnahmen), sinkende Sterberaten und eine aufgrund des sozialen und medizinischen Fortschritts steigende Lebenserwartung.
Nach den Zahlen des UNFPA ist die Geburtenrate bereits in jedem zweiten Land der Erde auf das so genannte Ersatzniveau (von 2,1 Kindern pro Frau) gesunken. Dieser »westliche« Trend setzt sich in Afrika langsamer durch als in Asien oder Lateinamerika. Insgesamt geht man jedoch davon aus, dass sieb die Tendenz stabilisieren und bis 2050 allgemein durchgesetzt haben wird.
Im Gegensatz zu den Voraussagen der I980er-Jahre wird es in Zukunft also weniger junge und mehr alte Menschen auf der Erde geben. Auf den »Baby-Boom« folgt der »Oma-Boom«, die Alterspyramide kehrt sich tendenziell um, es wird zu weltweiten demographischen Umschichtungen kommen. Der Anteil der über 60-Jährigen wird sich bis 2050 von 10 Prozent auf 22 Prozent mehr als verdoppeln. 1950 lag die durchschnittliche Lebenserwartung bei 46, 2002 schon bei 66 Jahren. Der Anteil Afrikas an der Weltbevölkerung wird von 13 Prozent im Jahr 2000 auf 20 Prozent im Jahr 2050 steigen. Das demographische Gewicht Asiens (60 Prozent) und Lateinamerikas (9 Prozent) wird konstant bleiben, der Anteil Europas dagegen auf 7 Prozent sinken. In Deutschland, Italien, Japan und Russland beginnt die Bevölkerungszahl bereits zu schrumpfen. Angesichts dieser ungleichgewichtigen Entwicklung ist zu erwarten, dass sich die sozialen Probleme noch verschärfen und dass die globale Wanderungsbewegung von Süden nach Norden weiter zunehmen wird.
Insgesamt geben diese Trends Anlass zur Hoffnung, wiewohl sie voraussichtlich in den reichen Ländern mit politischen, wirtschaftlichen und sozialen Umwälzungen einhergehen werden. Die demographische Entwicklung wird unaufhaltsam zu Lasten des Südens gehen. Der für 2050 prognostizierte Bevölkerungszuwachs um 3 Milliarden Menschen wird zum Großteil in den armen und bereits stark bevölkerten Ländern eintreten, und dort vor allem in den Städten. Damit wird sich erstmals die Mehrheit der Menschen in Städten konzentrieren. Die entscheidende Frage ist, was diese Entwicklung für die verfügbaren Ressourcen, das ökologische Gleichgewicht und die Lebensqualität bedeutet.
Demographische Entwicklung im internationalen Vergleich wurde eingetragen am Freitag, 26. September 2008 um 19:24 im Fach Gemeinschaftskunde.
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