Die Leiden des jungen Werther
Johann Wolfgang von Goethe - Die Leiden des jungen Werther.
Einstieg
Wohl die bekanntesten Liebhaber der Geschichte bzw. Literatur sind Don Juan und Casanova aber den alle zu vergessen mögen ist der bekannte Schriftsteller Goethe, der diese sogar, sei es mit seinem Charme oder Frauenversteherei, übertrifft. Ich werde euch jetzt den Romeo des 17. und 18. Jh. vorstellen:
Werther bzw. Johann Wolfgang von Goethe
Der Autor
Johann Wolfgang von Goethe wurde 1749 in Frankfurt am Main geboren und wuchs in wohlhabenden Verhältnissen auf. Er ist einer der bedeutendsten Dichter der Weltliteratur. In Leipzig und Straßburg studierte Goethe auf Wunsch seines Vaters Rechtswissenschaft. Er konnte alle seine Empfindungen - Liebe, Trauer, Schmerz - mühelos in Worte fassen. So hat er auch aus seiner Beziehung zu Friederike Brion die schönsten Liebesgedichte geschrieben.
Nach Abschluss seines Studiums war Goethe Rechtsanwalt in Frankfurt, obwohl er lieber ein unabhängiger Schriftsteller gewesen wäre. Als Schriftsteller verdiente man damals aber nicht viel. Goethe hat in seinem Leben viele Frauen geliebt. Sie gaben ihm immer wieder Anlass zu neuen Dichtungen. Aber geheiratet hat er zunächst keine von ihnen. Einige waren für ihn auch „unerreichbar“ verheiratet oder aus dem Adel. Er wollte seine Freiheit, seine Unabhängigkeit behalten. Er verließ die Frauen immer und machte sie damit unglücklich.
Goethe sah überall in der Welt eine göttliche Macht, besonders in Menschen und in den Gesetzen der Natur. Vor Christus hatte er große Ehrfurcht. Jeder Mensch trägt Goethes Meinung nach einen göttlichen Funken in sich. Damit kann er sich aus eigener Kraft zu einem immer vollkommeneren Menschen entwickeln. Deshalb ist der Mensch in seinem Kern gut. Diese Sicht der Dinge kennzeichnet Goethe als Humanist. (Humanismus ist eine Philosophie und eine Weltanschauung, die sich an den Interessen, den Werten und der Würde insbesondere des individuellen Menschen orientiert. Toleranz zwischen Menschen, Gewaltfreiheit und Gewissensfreiheit gelten darin als wichtige Prinzipien menschlichen Zusammenlebens.)
Sturm- und Drangzeit
Man bezeichnet die Jahre als "Sturm- und Drangzeit", in der man mehr das Gefühl beton-te als den Verstand. Goethe schrieb in dieser Zeit sein erstes Schauspiel, den leidenschaftlichen "Götz von Berlichingen", und einige Jahre später das Trauerspiel "Egmont".
Aus seiner unglücklichen Liebe zur Verlobten eines Freundes heraus entstand der Roman "Die Leiden des jungen Werther", der Goethe weltberühmt machte. Manche jungen Män-ner mit unglücklicher Liebe nahmen sich aufgrund des Romans wie Werther das Leben. Weshalb die Kirche den Roman auch stark kritisierte.
Nach der Einladung des Herzogs kam er dann nach Weimar, wo er später in hohen Staatsämtern arbeitete. 1806 heiratete er Christiane Vulpius.
In seiner Freundschaft mit Schiller entstand unter anderen Schriften die Ballade "Der Zauberlehrling". So versuchten sie zusammen in der klassischen Epoche die Menschen moralisch zu erziehen. Alle Werke dieser Zeit überragte jedoch "Faust" (1. Teil 1806, 2. Teil 1831). Neben seinen zahlreichen Werken betrieb Goethe auch naturwissenschaftliche Studien (Farbenlehre). Er starb 1832 im Alter von fast 83 Jahren in Weimar.
Seine Werke:
- 1773 Götz von Berlichingen
- 1774 Die Leiden des jungen Werther
- 1779 Iphigenie auf Tauris
- 1788 Egmont
- 1790 Torquato Tasso
- 1798 Hermann und Dorothea
- 1795 Wilhelm Meisters Lehrjahre1808 Faust, 1. Teil
- 1809 Die Wahlverwandtschaften
- 1833 Faust, 2. Teil
Die Thematik und der Bezug zu Goethe
"Die Leiden des jungen Werther" ist ein Briefroman (eine literarische Gattung). Seine Handlung erstreckt sich über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren. Die Zeit der Handlung wird durch die Briefdaten genau ermittelt, die Orte des Geschehens bleiben aber un-bestimmt. Werther schreibt Briefe an seinen Freund Wilhelm. Erst gegen Ende des Romans werden neben den Briefen Werthers, Erkundungen des Herausgebers über Werther mitgeteilt. Der Roman schließt mit dem Bericht von Werthers Tod und seiner Bestattung.
In diesem Buch beschreibt Goethe seine Beziehung zu Charlotte Buff, die er während sei-ner weiteren juristischen Ausbildung auf einem Ball in Volpertshausen, einem kleinen Ort in Deutschland, kennen lernte. Sie war jedoch einem Anderen versprochen, deshalb flüchtete Goethe eines Tages um sie zu vergessen. Der Selbstmord eines unglücklich verliebten, jungen Sekretärs animierte Goethe schließlich diesen Briefroman zu schreiben.
Charakteristik der Hauptpersonen:
WERTHER
Er stammt aus einer wohlhabenden Familie. Ist ein künstlerisch begabter, junger Mann, ein Denker, der sich durch seine fanatische Liebe zu Lotte von den Menschen in seinem Umfeld abgrenzt. Seine einzige Zuflucht findet er bei Charlotte und bei Kindern. Er selbst beschreibt sich als unruhigen, lebhaften Typ.
CHARLOTTE:
Eine Frau, die sich seelisch mit Werther ergänzt. Sie kann nicht verleugnen sich von ihm angezogen zu fühlen. Sie ist eine sehr geduldige, liebevolle und nette Person. Sie ist bereits an Albert vergeben und möchte diese Verbindung nicht aufgeben. Sie lernt Werther im Laufe der Geschichte zu verstehen, aber bleibt doch bei Albert, weil es die "gesellschaftliche Moral" so vorschreibt. In dem Roman beschreibt Werther immer wieder die dunkel-braunen Augen Charlottes, die ihm ein Gefühl von Behaglichkeit geben.
ALBERT:
Er wird als braver, lieber, sympathischer Mann charakterisiert. Er gibt sich immer gelassen, ist aber im Wesen ein sehr gefühlsbetonter Mensch und weiß, was er an Charlotte hat. Er und Werther sind grundverschiedene Personen. Der Verlobte ist der einzige Mensch der indirekt von den Selbstmordplänen des jungen Werthers erfährt, aber nichts dagegen unternehmen kann.
Inhalt
,,Die Leiden des jungen Werthers" von Johann Wolfgang von Goethe handelt von einem jungen Mann namens Werther, der sich unglücklich in eine Frau verliebt und schließlich aus Verzweiflung Selbstmord begeht.
Werther ist von zu Hause nach Wahlheim, einen kleinen Ort, gezogen, um über den Tod einer guten Freundin hinweg zu kommen. Auf einem Ball lernt er die Tochter des Amtmanns, Lotte, kennen und verliebt sich in sie. Er ist sehr glücklich. Werther besucht die schon verlobte Lotte, dessen Verlobter, Albert, verreist ist, täglich. Zwischen ihnen entwickelt sich ein freundschaftliches und vertrautes Verhältnis.
Werthers immer wachsende Sehnsucht und Leidenschaft zu Lotte treiben ihn häufiger zu Selbstmordgedanken. Dies verstärkt sich, als Albert zurückkommt. Werther baut zwar eine Freundschaft zu Albert auf, doch seine Mutlosigkeit und Verzweiflung, dass er Lotte nicht bekommen wird, bringen ihn zum Entschluss Wahlheim zu verlassen und bei der Gesandtschaft zu arbeiten. Doch dort fühlt sich Werther auch nicht wohl. Er reicht schließlich seine Kündigung ein und beschließt nach fast einem Jahr, seinen Gefühlen nachzugehen und nach Wahlheim zurückzukehren.
Inzwischen sind Lotte und Albert verheiratet. Werthers Situation wird immer schlimmer, denn er kann keinen klaren Gedanken mehr fassen, da seine Liebe zu Lotte ihn verzweifeln lässt. Albert stört die häufige Anwesenheit Werthers und er verlangt von Lotte, die Besuche einzuschränken. Inzwischen steht für Werther der Entschluss, Selbstmord zu begehen, fest. Er lässt seine Sachen packen, alle Angelegenheiten erledigen und beginnt einen Abschiedsbrief an Lotte zu schreiben.
Das letzte Treffen mit Lotte endet mit einem Kuss von Werther, woraufhin Lotte sauer aus dem Zimmer flieht. Sie ist verzweifelt, denn zum einen weiß sie, dass Albert ein guter Mann ist, auf der anderen Seite hängt sie aber auch sehr an Werther, mit dem sie viele Übereinstimmungen und Gefühle teilt. Am nächsten Tag bittet Werther durch einen Knaben um Alberts Pistole. Lotte gibt sie ihm nur zögernd, da sie ein dummes Gefühl hat.
Werther erschießt sich dann in seinem Zimmer. Lotte ist sehr traurig und Albert, der Werther diese Tat nicht zugetraut hat, ist bestürzt. Noch am gleichen Abend findet die Beerdigung statt.
Der Abschiedsbrief an Lotte
Es ist beschlossen, Lotte, ich will sterben, und das schreibe ich dir ohne romantische Überspannung, gelassen, an dem Morgen des Tages, an dem ich dich zum letzten Male sehen werde. Wenn du dieses liesest, meine Beste, deckt schon das kühle Grab die erstarrten Reste des Unruhigen, Unglücklichen, der für die letzten Augenblicke seines Lebens keine größere Süßigkeit weiß, als sich mit dir zu unterhalten. Ich habe eine schreckliche Nacht gehabt, und ach! eine wohltätige Nacht. Sie ist es, die meinen Entschluss befestiget, bestimmt hat: ich will sterben! Wie ich mich gestern von dir riss, in der fürchterlichen Empörung meiner Sinne, wie sich alles das nach meinem Herzen drängte, und mein hoffnungsloses freudeloses Dasein neben dir in grässlicher Kälte mich anpackte – ich erreichte kaum mein Zimmer, ich warf mich außer mir auf meine Knie, und o Gott! du gewährtest mir das letzte Labsal der bittersten Tränen! Tausend Anschläge, tausend Aussichten wüteten durch meine Seele, und zuletzt stand er da, fest, ganz, der letzte einzige Gedanke: ich will sterben! – Ich legte mich nieder, und morgens, in der Ruhe des Erwachens, steht er noch fest, noch ganz stark in meinem Herzen: ich will sterben! – Es ist nicht Verzweiflung, es ist Gewissheit, dass ich ausgetragen habe, und dass ich mich opfere für dich. Ja, Lotte! warum sollte ich es verschweigen: eins von uns dreien muss hinweg und das will ich sein! O meine Beste! in diesem zerrissenen Herzen ist es wütend herumgeschlichen, oft – deinen Mann zu ermorden! – dich! – mich! – So sei es denn! – Wenn du hinaufsteigst auf den Berg, an einem schönen Sommerabende, dann er-innere dich meiner, wie ich so oft das Tal heraufkam, und dann blicke nach dem Kirchhofe hinüber nach meinem Graben, wie der Wind das hohe Gras im Scheine der sinkenden Son-ne hin und her wiegt. – Ich war ruhig, da ich anfing, nun nun weine ich wie ein Kind, da alles das so lebhaft um mich wird.
