Nie zuvor in der Geschichte haben so viele globale und regionale Institutionen das Funktionieren der Weltgemeinschaft bestimmt wie heute. Das dichte Netz aus sicherheitspolitischen Organisationen hat einiges dazu beigetragen, Konflikte einzudämmen oder zuvermeiden. Angesichts der weltpolitischen Kräfteverhältnisse bleibt die Souveränität der schwächeren Staaten jedoch häufig auf der Strecke.
Weltweit gibt es derzeit 350 zwischenstaatliche Organisationen, 1909 waren es 37. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde in Genf der Völkerbund gegründet: die erste Institution mit dem Anspruch, die gesamte Staatengemeinschaft zu repräsentieren, und mit dem Auftrag, Sicherheit und Frieden in der Welt zu gewährleisten. Eine Vielzahl zwischenstaatlicher Organisationen entstand nach dem Zweiten Weltkrieg, darunter vor allem die Vereinten Nationen (UNO), die Arabische Liga, die Organisation amerikanischer Staaten (OAS), der Europarat, die Organisation der afrikanischen Einheit (die seit dem 10. Juli 2001 Afrikanische Union heißt), der Verband südostasiatischer Staaten (Asean) und die Organisation der Islamischen Konferenz.
Weitere internationale Organisationen entstanden nach dem Ende des Kalten Kriegs: die Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS), die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) und die Schanghaier Organisation für Zusammenarbeit. Die Europäische Gemeinschaft (EG) wurde zur Europäischen Union (EU) und entwickelt sich allmählich zu einer Staatenkonföderation, die nationale Dimensionen überwindet.
Bei ihrer Gründung 1945 hatte die UNO 51 Mitgliedstaaten. Seit dem Jahr 2002, in dem Osttimor und die Schweiz hinzukamen, sind es 191 Länder. Damit sind heute fast alle Staaten der Welt UN-Mitglieder. Während des Kalten Kriegs war die UNO lange Zeit paralysiert, da die fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats China, USA, Frankreich, Großbritannien und Sowjetunion sich durch den Gebrauch des Veto-Rechts gegenseitig lahm legten. Heute ist ihre Funktionsfähigkeit durch den Unilateralismus der USA beeinträchtigt.
Seit 1948 hat die UNO 54 »friedenserhaltende Operationen« (Blauhelm-Einsätze) durchgeführt, davon 41 seit Ende des Kalten Kriegs. In jüngster Zeit war sie beteiligt an der Verwaltung von Quasi-Protektoraten, die das Ergebnis militärischer Interventionen sind (Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Afghanistan, Osttimor). Im März 2002 befanden sich im Rahmen der 15 derzeit laufenden Operationen 46445 Soldaten und Polizisten sowie 12 000 Zivilpersonen im Einsatz. Seit 1990 gibt es immer mehr friedenserhaltende und friedenserzwingende Einsätze, die zwar auf UN-Mandat beruhen, jedoch nur von einem Land oder einer Ländergruppe geleitet werden. Das gilt für den Golfkrieg von 1991 und für die Einsätze in Somalia, Ruanda, Haiti, Bosnien-Herzegowina, Albanien, Kosovo, Osttimor und Afghanistan. Mehrere UN-Organe und UN-Sonderorganisationen sind mit Fragen der Sicherheit befasst, darunter das Hochkommissariat für Flüchtlingsfragen (UNHCR), der Internationale Gerichtshof (IGH), der Internationale Strafgerichtshof (IStGH), die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) und die Konferenz für Abrüstung.
Die 1973 im Rahmen des Ost-West-Dialogs gegründete Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) erhielt seit 1990 eigene Institutionen und wurde 1994 in Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit (OSZE) umbenannt. Ihr gehören insgesamt 55 Länder an: die USA, Kanada, sämtliche europäischen Länder sowie die aus dem Zerfall der Sowjetunion hervorgegangenen Staaten. OSZE-Beobachter und -Berater sind derzeit auf dem Balkan und in mehreren Ex-Sowjetrepubliken tätig, von Moldawien bis Tadschikistan. Die Organisation des Nordatlantikvertrags (Nato) schuf nach dem Ende des Kalten Kriegs eigene sicherheitspolitische Institutionen, die zunehmend die OSZE überlagern: den Euro-Atlantischen Partnerschaftsrat (EAPR) und die Partnerschaft für den Frieden (PfP), die den Rahmen für die Abstimmung mit den Ländern Osteuropas und den ehemaligen Sowjetrepubliken liefert.
Eine Reihe regionaler und lokaler Organisationen haben Mechanismen für Konfliktprävention und friedenserhaltende Maßnahmen etabliert, die angesichts des Prinzips der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten der Mitgliedstaaten aber nur von begrenzter Wirkung sind. Auch die Beschlüsse wirtschaftlicher Interessenverbände wie der Organisation der Erdöl exportierenden Länder (Opec) können geopolitisch von Bedeutung sein. Das Commonwealth -ein informeller Zusammenschluss von 54 englisch sprachigen Ländern, meist ehemals britische Kolonien, sowie die Konferenz der Staatschefs Frankreichs und Afrikas und die Internationale Organisation der Franko-phonie (OIF) äußern sich zuweilen zu sicherheitspolitischen Fragen.
Internationale Organisationen und Militärbündnisse wurde eingetragen am Donnerstag, 25. September 2008 um 00:25 im Fach Politik.
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