Sprachphilosophie

Eingeschickt am Donnerstag, 4. September 2008
Fach: Deutsch, Philosophie
Note: 2
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Sprachphilosophie

Schemenhafter Abriss der Geschichte sprachphilosophischer Ansätze und Theorien.

Vorwort

Ich möchte mich in meiner Seminararbeit mit verschiedenen sprachphilosophischen Ansätzen beschäftigen. Dabei werde ich chronologisch vorgehen, indem ich mit den Sophisten beginne, um mich dann durch die Jahrhunderte bis zu Wittgenstein und dem Problem der Bedeutung eines Ausdrucks hindurchzuarbeiten. Bei meiner Beschäftigung mit diesem Themenkomplex bin ich auf zwei große Probleme gestoßen:
  1. Die Zahl ausführlicher Sekundärtexte über sprachphilosophische Ansätze einzelner Denker hält sich stark in Grenzen, was zur Folge hatte, dass ich die Thesen der in meiner Arbeit aufgeführten Philosophen oft aus vielen kleinen, unvollständigen und teilweise stark unverständlichen Sekundärtexten zusammenschreiben musste.
  2. Eine wirklich eingehende, bis in die tiefsten Tiefen der Sprachphilosophie reichende Beschäftigung mit derselben hätte das Lesen vieler dicker und recht komplizierter Bücher und Texte verlangt, was ich beim besten Willen nicht hätte schaffen können.
Ich betrachte diese Arbeit als kleinen Einstieg in die Welt sprachphilosophischer Probleme und diesbezüglicher Gedankengänge einzelner Philosophen, auf denen das Hauptaugenmerk meiner Arbeit liegt, stelle aber nicht den Anspruch auf Vollständigkeit und wissenschaftliche Exaktheit. Ich habe im Anschluss an die Zusammenfassung jedes Gedankengangs der in meiner Arbeit vorgestellten Philosophen eine Art kleines Fazit angefügt, in welchem ich versuchen möchte die Bedeutung und den Platz in der Geschichte der Sprachphilosophie des jeweiligen Gedankenansatzes hervorzuheben. Ich erhebe auch bei diesen, von mir aufgestellten „Interpretationen“ keinen Anspruch auf umfassende Gültigkeit. Ich konnte meiner Arbeit leider keinen selbst erarbeiteten Teil hinzufügen, da ich keine Möglichkeit sah die verschiedenen Thesen zur Bedeutung eines Ausdrucks (s. S.15) zu überprüfen. Eine andere rein sprachphilosophische von mir selbst durchgeführte Untersuchung ist mir leider nicht eingefallen.

Die Sophisten (ca. 500 v. Chr.)

Meinen schemenhaften Abriss der Geschichte sprachphilosophischer Ansätze und Theorien möchte ich mit einem kurzen Blick auf die Sophisten einleiten. Bei ihnen erhält die Sprache als Mittel und Werkzeug der Überzeugung, weniger als Gegenstand der Reflexion gewaltige Bedeutung, weshalb ich die Erwähnung des sophistischen Ansatzes, sofern eine solche Verallgemeinerung überhaupt möglich ist, gerechtfertigt finde. Die Sophisten zogen als die ersten Lehrer von Stadt zu Stadt und erteilten gegen Bezahlung Unterricht in verschiedenen Künsten, wie der Dialektik, der Gesellschaftskunde und vor allem der Rhetorik. Die Letztgenannte bekam in Folge der Blüte Athens, die beinahe das gesamte 5. Jahrhundert v.Chr. dauerte und sich in den Gebieten der Kunst, Wissenschaft und vor allem der Politik vollzog, große Bedeutung. Nahezu jeder Athener hatte in seinem Leben in irgendeiner Weise mit Politik zu tun, weshalb die Rede als Mittel zur Überzeugung immer mehr an Einfluss gewann. Die Rhetorik und somit das Vermögen der Überzeugung ist aber ebenfalls als Konsequenz der sophistischen Philosophie in den Mittelpunkt gerückt. Die meisten Sophisten waren im Gegensatz zu den vorangegangenen Naturphilosophen nicht mehr der Auffassung, es sei möglich objektive Wahrheiten zu finden. Diese Skepsis gegenüber objektiver Erkenntnis dehnte sich bis auf das Gebiet der Moral aus, indem behauptet wurde, es gäbe in ethischer Hinsicht kein objektives, alle bindendes Recht, sondern nur das Recht des Stärkeren. Daraus folgt, dass es keinerlei Maßstäbe gibt zu beurteilen, wer in einer bestimmten Frage Recht hat und weiterhin, dass es darauf ankommt das Hilfsmittel Sprache zur Überzeugung der anderen vom eigenen Standpunkt geschickt zu verwenden. Sprache wird zur Waffe, mit der man umzugehen wissen muss, um andere überzeugen zu können. Der sophistische Ansatz ist sprachphilosophisch also insofern interessant und bedeutend, als dass die Sophistik die Sprache als Werkzeug in den Mittelpunkt gerückt hat und aufgrund der damit verbundenen Beschäftigung mit Stilkunde und dem Vermögen zu sprechen auch Sprachwissenschaft und Grammatik erheblich gefördert wurden.

Aristoteles (384 v. Chr. – 322 v. Chr.)

Aristoteles sieht die Bedeutung der Sprache im Ausdruck des Denkens, in der Repräsentation von Inhalten der Seele. Er ist der Überzeugung, die Wirklichkeit werde im Denken und somit in der Sprache so abgebildet, dass es mit Hilfe der richtigen Methode – der Logik – möglich sei, wahre, der Realität zukommende Aussagen über die Wirklichkeit zu treffen. Aristoteles betrachtet die Sprache als Werkzeug zur Mitteilung von Bewusstseinszuständen, die bei allen Menschen unter denselben Umständen prinzipiell gleich sind. Seelische Ereignisse verleihen den Ausdrücken ihre Bedeutung: „Es sind nun die stimmlichen Verlautbarungen Symbole der Vorstellungen in der Seele, und das Geschriebene ist Symbol der stimmlichen Verlautbarungen. Und wie die Schriften nicht bei allen dieselben sind, so auch nicht die Stimmen. Wovon diese aber zuerst Zeichen sind, das sind für alle dieselben Vorstellungen der Seele. Dasjenige aber, dem diese Vorstellungen ähnlich sind, das sind auch dieselben Dinge.“ Aus diesen Worten spricht Aristoteles’ grundlegende Überzeugung, dass die Wirklichkeit im Denken und der Sprache unter Anwendung der richtigen Methoden formgerecht abgebildet werden könne. Schlüssel zur Erschließung der Wirklichkeit im Denken ist hierbei die Logik, welche stark von grammatikalischen Strukturen und somit der Sprache geprägt ist, weshalb ich diese kurz vorstellen möchte. Begriffe, durch welche sich das verstandesmäßige Denken vollzieht, erhalten wir durch Definition. Zu jeder Definition gehören zwei Teile. Sie muss zum Einen ein verbindendes-, zum Anderen ein trennendes Merkmal enthalten. Das verbindende Merkmal einer Definition ordnet den durch sie zu definierenden Gegenstand/Objekt einer Klasse zu, indem deren allgemeine Kennzeichen mit denjenigen des Begriffs übereinstimmen. Das trennende Merkmal gibt hingegen an, inwiefern sich die Klasse vom dem zu definierenden Gegenstand unterscheidet. Ist man nun durch Definition zu Begriffen gelangt, so kann man diese bezüglich höherer und niedrigerer Allgemeinheit ordnen. Von den Begriffen höherer Allgemeinheit kommt man durch die Hinzunahme sog. spezifischer Unterschiede zu Begriffen niedrigerer Allgemeinheit. Diese „engeren“ Begriffe lassen sich wiederum zu konkreten, einzelne Lebewesen und Gegenstände bezeichnenden, nicht weiter „aufspaltbaren“ Begriffen abstufen. Als letzte Sprosse der Begriffsleiter werden Begriffe höchster Allgemeinheit, die sog. Kategorien,  angeführt, die alle anderen Begriffe unter sich zusammenfassen. Diese sind: Substanz, Quantität, Qualität, Relation, Ort, Zeitpunkt, Lage, Haben, Wirken und Leiden. In der nun folgenden Lehre des Urteils werden wiederum sprachliche Strukturen auf das Denken übertragen. Ein Urteil bezeichnet die Verknüpfung von mindestens zwei Begriffen via Subjekt und Prädikat. Das Subjekt steht hierbei für den Begriff über den etwas ausgesagt wird, das Prädikat für die Aussage, die über das Subjekt gemacht wird. Urteile wiederum verbinden wir zu Schlüssen, die aus mindestens einem Urteil, der Prämisse,  ein neues Urteil, die Konklusion, bilden. Im Zuge der Schlussbildung begründet Aristoteles den Syllogismus, der deduktiv aus einer oder mehreren Prämissen die Konklusion ableitet. Schlüsse werden endlich zu Beweisen verknüpft. Ein Beweis ist die logisch zwingende Herleitung eines Satzes aus anderen Sätzen mittels fortlaufender Schlussbildung. Im Falle der Herleitung von Sätzen aus anderen Sätzen verhält es sich ähnlich wie mit der Allgemeinheit von Begriffen bezüglich ihrer Definition. Sätze lassen sich auf allgemeine, evidente, nicht weiter zurückführbare Sätze allgemeinsten Charakters zurückführen. Laut Aristoteles sind wir vermittels der Vernunft fähig die Gültigkeit dieser allgemeinsten Sätze unmittelbar und irrtumsfrei zu erkennen. Sätze allgemeinster Natur sind der Satz der Identität, der Satz vom ausgeschlossenen Dritten, der Satz vom zureichenden Grunde und schließlich der Satz vom Widerspruch, der in Aristoteles’ Fassung lautet: „Dasselbe kann demselben in derselben Hinsicht nicht zugleich zukommen und nicht zukommen.“ Wir haben es bei Aristoteles mit einem Ansatz zu tun, der von der Überzeugung geprägt ist, die Wirklichkeit werde im Denken und somit auch in der Sprache, da diese das Denken nach Außen gibt, so abgebildet, dass es mit Hilfe der richtigen Methode – der Logik – möglich sei, wahre, der Realität entsprechende Aussagen zu machen. Wir sind also an einem Punkt der Philosophiegeschichte, an dem das problematische Verhältnis zwischen Denken, Sprache und Wirklichkeit noch nicht wirklich offengelegt ist.

Schema der aristotelischen Logik:

Aristotelische Logik

Augustinus (354 - 430)

Augustinus hat durch seine Ausbildung und vor allem durch seine Tätigkeit als Rhetor schon früh eine Sensibilität für Sprache erhalten. Er wendete sich mehr und mehr vom griechischen Ideal ab, das unter anderem davon ausgeht, dass die klassischen Werke der Schlüssel zum Verständnis der Welt seien, indem er ein Bewusstsein für das Problem des Verhältnisses zwischen Sprache und Wirklichkeit entwickelte. Augustinus beschäftigt sich mit diesem Problem in seiner Schrift „De magistro“, die in Anlehnung an Plato als Dialog verfasst ist. In diesem Dialog versucht Augustinus seinen Sohn Adeodatus von der gängigen Lehrmeinung bezüglich der Sprache zu befreien. Laut Augustinus ist die Sprache grundsätzlich von zwei Funktionen bestimmt: nämlich dem Lehren und dem Lernen. Der Wert der Sprache ist für ihn allerdings insofern eingeschränkt, als dass Worte, die Zeichen sind, jediglich auf Dinge verweisen, welche man „erkannt“ haben muss, um das Wort-Zeichen verstehen zu können. Kurz gesagt: Worte sind Zeichen, die Sachen vertreten, welche man bereits kennen muss, um das Wort-Zeichen verstehen zu können. Um ein Wort also nicht bloß als Klang oder Buchstabenkette wahrzunehmen, muss man das Bezeichnete gesehen haben, ob mit dem Auge nach Innen oder Außen, um das Zeichen mit einer Bedeutung versehen zu können. Augustinus bestreitet somit die Möglichkeit allein durch Zeichen etwas zu lernen: „Bei einer sorgfältigeren Betrachtung wirst du vielleicht gar nichts mehr finden, was man durch die entsprechenden Zeichen lernen könnte. Sooft mir nämlich ein Zeichen gegeben wird, kann mich dasselbe nichts lehren, wenn es zu mir gelangt und ich nicht weiß, auf welche Sache es sich bezieht; weiß ich das jedoch, was lerne ich durch das Zeichen?“ Augustins beschreibt die Sprache als Mittel zum Lernen und Lehren. Wie ist dies nach der vorherigen Feststellung möglich? Um die Vorstellung der Sprache als Instrument des Lehrens und Lernens beizubehalten, führt Augustinus die Theorie vom inneren Wort ins Feld: „Über alle erkennbaren Dinge aber fragen wir nicht irgendeinen Menschen, der spricht und dessen Stimme von außen an uns herankommt, sondern die in unserem Inneren sich befindende Wahrheit, die über den Geist selbst waltet, wobei Wörter uns vielleicht anregen, dieselbe zu befragen. Es lehrt uns aber derjenige, den wir befragen, von dem gesagt ist, dass er im inwendigen Menschen wohnt, Christus, das heißt, die unveränderliche und ewige Weisheit Gottes.“ Das innere Wort lässt im Gegensatz zu allen äußeren Worten tatsächliches Lernen zu. Das innere Wort ist nicht sinnlich erfahrbar und liegt jenseits des Zeichencharakters aller äußeren Worte. Allein durch dieses Wort, das den sich in uns befindenden Geist Gottes meint, ist es dem Menschen möglich zu wahrer Erkenntnis zu gelangen. Im Zuge des inneren Wortes erhält nun das äußere Wort auch wieder Sinn und Bedeutung. Es gestattet zwar nicht den Erwerb von wahrer Erkenntnis, kann aber als Erinnerung an schon „Erkanntes“ dienen und kann weiterhin dazu auffordern Worte mit Bedeutung zu versehen, also zu erkennen. Das äußere Wort macht auf das innere aufmerksam, durch welches allein sich Erkenntnis vollziehen kann: darin liegt seine Bedeutung und sein Wert. Die Bedeutung des augustinischen Ansatzes innerhalb des Bereiches der Philosophie, welcher sich mit Sprache beschäftigt, liegt zum Einen in seinem innovativen Ansatz des inneren Worts, zum Anderen – und dies ist wohl der Hauptgrund seiner Bedeutung – in der Aufdeckung des Problems bezüglich des Verhältnisses von Sprache und Wirklichkeit. Mit der Behauptung, Zeichen seien nicht mehr nur für sich selbst sprechend, sondern hängen in ihrer Bedeutung auch immer von ihrem Benutzer ab, zerstört er das aristotelische Vertrauen in die Sprache und macht sie zum Gegenstand eigener Reflexion. Mit der Entdeckung der Rolle des Benutzers/Beobachters führt Augustinus als erster das sog. semiotische Dreieck ein, das die Beziehung zwischen Zeichen, Bezeichnetem und Beobachter darstellt. Augustinus wurde aufgrund seiner sprachphilosophischen Ansätze zu einem wichtigen Anreger weiterer sprachtheoretischer und –philosophischer Reflexion, obwohl sein Vertrauen in die Sprache als Erkenntnis stiftender Prozess gering ausfällt. Bei ihm ist dies allerdings auch unter dem Gesichtspunkt der Religiosität zu sehen, da für ihn das Unvermögen der „äußeren Worte“ eine Bestätigung des „inneren“ Wortes und somit eine Bestätigung der Herrlichkeit Gottes bedeutet. Zum Teil wird dieser Befund von Augustinus so weit zugespitzt, dass er behauptet die Sprache sei Folge der Sünde.

Nominalismus (Scholastik)

In der Zeit der Frühscholastik kam es bezüglich der Kategorienlehre des Aristoteles (s. S. 3) zu einer - unter sprachphilosophischen Aspekten gesehen - sehr interessanten Diskussion zwischen den sog. Realisten und den sog. Nominalisten. Streitpunkt dieser Diskussion, auch Universalienstreit genannt, war die Frage, ob den aristotelischen Gattungs- und Artbegriffe, also den Allgemeinbegriffen, eine höhere Wirklichkeit als den konkreten Dingen zukommt. Die Realisten waren dieser Überzeugung, wohingegen die Nominalisten nur die Einzeldinge als wirklich ansahen. Nach den Nominalisten sind die allgemeinen Begriffe nicht in der Wirklichkeit, sondern nur in unserem Intellekt vorhanden, sie sind bloße Namen, weshalb diese Richtung des Denkens auch Nominalismus heißt (lateinisch nomen). Der Hauptvertreter des Nominalismus in der Frühscholastik war Johannes Roscellinus von Compiègne (ca. 1050 bis 1120). Er meint, dass die Wirklichkeit nur aus lauter Einzeldingen bestehe und die Allgemeinbegriffe nur vom Menschen erdachte Namen und Bezeichnungen seien, in denen wir einander ähnliche Einzeldinge nach ihren gemeinsamen Merkmalen zusammenfassen. Nach ihm gibt es somit z.B. nicht die Menschheit, es gibt nur einzelne Menschen, es gibt nicht „Weiß“ als etwas Allgemeines, es gibt nur konkrete weiße Gegenstände usw.. Fortgeführt wurde der Nominalismus in der Spätscholastik von Wilhelm von Occam (ca. 1290 bis 1349). Er war entschieden gegen die in der Scholastik weit verbreitete Meinung, man müsse alle Erklärungen der Wirklichkeit aus allgemeinen Glaubens- und Lehrsätzen herleiten. Er war vielmehr wie Roscellinus von Compiègne der Auffassung, dass den Allgemeinbegriffen nichts wirkliches entspreche und die Wirklichkeit somit in konkreten Einzeldingen „gesucht“ werden müsse. Ich habe den nominalistischen Ansatz in meine Arbeit aufgenommen, da hier – ähnlich wie bei Augustinus – ein Gespür für das problematische Verhältnis zwischen Sprache/Denken und der Wirklichkeit entwickelt wird. Dem Denken und somit der Sprache wird das Recht auf Verallgemeinerung abgesprochen, da solche nicht der Realität zukommen. Es wird also bestritten, dass eine grundlegende Eigenschaft des menschlichen Denkens und der menschlichen Sprache, nämlich Gegenstände, Tatsachen und Gegebenheiten nach bestimmten Gesichtspunkten zusammenzufassen und zu ordnen, gültig ist. Es zeigt sich bei den Nominalisten wie bei Augustinus eine Skepsis gegenüber dem Vermögen von Sprache und Denken die Wirklichkeit so zu erfassen, wie sie „an sich“ ist.

Glaubensphilosophen (18. Jhr.)

Im Anschluss an Kant wurde der Widerstand gegen dessen Rationalismus immer größer. In dieser vor allem von den sog. Glaubensphilosophen geprägten Entwicklung rückte die Beschäftigung mit der Sprache immer mehr in den Mittelpunkt. Man erkannte, dass Sprache nicht nur eines von vielen philosophischen Themen darstellt, sondern dass diese vielmehr eine zentrale Rolle innerhalb menschlicher Erkenntnisprozesse spielt, eine Rolle, der selbst Kants kritischer Geist nicht genügend Beachtung geschenkt hat. Der erste der Glaubensphilosophen war Georg Hamann (1730-1788), der aufgrund der dunklen Tiefe seiner Schriften „Magnus des Nordens“ genannt und von Goethe hochgeschätzt wurde. Hamann war der Wortführer im beginnenden Kampf gegen den Rationalismus. Er verwirft vor allem die kantsche Trennung unseres Erkenntnisvermögens in Sinnlichkeit und Vernunft, indem er die Sprache als Medium anführt, in welchem die Vernunft sinnliche Existenz erhält. Hamann will im Gegensatz zu Kant nicht nur die Vernunft einer Kritik unterziehen, sondern auch die Sprache, von der er meint, dass die Vernunft ohne dieselbe nicht denkbar sei: „Ohne Sprache hätten wir keine Vernunft. Ohne Wort, keine Vernunft – keine Welt.“ ... „Unsere Vernunft ist jenem blinden thebanischen Wahrsager ähnlich, dem seine Tochter den Flug der Vögel beschrieb; er prophezeite aus ihren Nachrichten.“ In diesen Sätzen lässt sich die Bedeutung erahnen, welche Hamann der Sprache beimisst. Sie ist ihm Schlüssel zu allem. Er sieht in ihr das Verbindungsglied zwischen Idealismus und Realismus und meint weiterhin die Rätsel der Geschichte mit Hilfe der Sprache auflösen zu können. Der die anderen Glaubensphilosophen an Bedeutung weit übertreffende Denker war Johann Gottfried Herder (1744-1803). Herder war kein kritischer und systematischer Kopf wie Kant, hatte aber die Begabung des intuitiven Erfassens des Individuellen, Besonderen, Lebendigen im Geist, der Geschichte und Sprache der Völker. Er sammelte und übersetzte die Volkspoesie der Griechen, Römer, der orientalischen und europäischen Völker. Die Sprache steht auch bei Herder im Mittelpunkt. Er fordert eine Philosophie, die sich stark mit Sprache und ihrer Erforschung beschäftigt. Herder schrieb in Anlehnung an Kant eine „Metakritik zur Kritik der reinen Vernunft“, in der er seine These die Vernunft sei an Sprache gebunden, genauso wie die Sprache an die Vernunft gebunden sei, darlegt: „Ohne Sprache hat der Mensch keine Vernunft, und ohne Vernunft keine Sprache.“ Herders Ziel ist es der kantschen Philosophie eine Sprachphilosophie gegenüberzustellen ohne die gegen Empirismus und Rationalismus errungenen transzendentalphilosophischen Einsichten aufzugeben. Hamann und Herder haben ihre Gedanken zur Sprache nicht systematisch formuliert, markieren aber mit ihren Überlegungen einen Wendepunkt hin zur intensiven Beschäftigung mit Sprache, deren Strukturen und Bedeutung.

Humboldt (1767 - 1835)

Humboldt war für seine jahrzehntelange Beschäftigung mit Sprachen und Sprache hervorragend vorbereitet. Bereits in seiner Jugend hatte er Griechisch, Latein und Französisch gelernt und beschäftigte sich darüber hinaus im Laufe seines Lebens mit vielen weiteren Sprachen. Für Humboldt steht bei seiner Beschäftigung mit Sprache die kantische Frage: „Was Ist der Mensch?“ im Mittelpunkt. Für ihn wird der Mensch definiert durch seinen Gebrauch von Sprache, denn erst durch die Sprache werde der Mensch zum Menschen. Die Sprache ist laut Humboldt das Medium, in welchem der Mensch lebt, denkt und fühlt. Wilhelm von Humboldt gehört somit zu den ersten Forschern, die der Sprache eine zentrale erkenntnistheoretische und kulturschöpferische Rolle beimessen. Sprache ist laut Humboldt nicht nur ein Werkzeug, das zur Verständigung gebraucht wird, sondern vielmehr eine welterschließende Kraft, eine produktive Tätigkeit des Geistes, die es uns erst erlaubt die Wirklichkeit zu erfassen: „Man muss die Sprache nicht sowohl wie ein totes Erzeugtes, sondern weit mehr wie eine Erzeugung ansehen, mehr von demjenigen abstrahieren, was sie als Bezeichnung der Gegenstände und Vermittlung des Verständnisses wirkt, und dagegen sorgfältiger auf ihren mit der inneren Geistestätigkeit eng verwebten Ursprung und ihren gegenseitigen Einfluss zurückgehen.“ Dabei ist die Sprache kein Werk (ergon), sondern eine Tätigkeit (energeia), und zwar in all ihren Formen: im jeweiligen Sprechen, als einzelne Sprache und als Sprache im Allgemeinen. Humboldt betont den dynamischen und kreativen Charakter von Sprache: „Denn die Sprache kann nicht als ein daliegender, in seinem Ganzen übersehbar oder nach und nach mitteilbarer Stoff, sondern muss als ein sich ewig erzeugender angesehen werden, wo die Gesetze der Erzeugung bestimmt sind, aber der Umfang und gewissermaßen auch die Art des Erzeugnisses gänzlich unbestimmt bleiben.“ Sprache ist die „Arbeit des Geistes, den articulierten Laut zum Ausdruck des Gedanken fähig zu machen“. Demzufolge ist die Sprache kein bloßes Gedankenkleid, sondern Sprache ist selbst das bildende Organ der Gedanken. Wie Sprache und Denken bzw. Bewusstsein, so gehören Sprache und Welt innerlich nach Humboldt zusammen: „Der Mensch lebt mit den Gegenständen hauptsächlich, ja, da Empfinden und Handeln in ihm von seinen Vorstellungen abhängen, sogar ausschließlich so, wie die Sprache sie ihm zuführt.“ Da Sprache maßgeblich an der Wirklichkeitserschließung des Menschen beteiligt ist, so müssen nach Humboldt unterschiedliche Sprachen mit unterschiedlichen grammatikalischen Strukturen und unterschiedlichen Wortfeldern eine unterschiedliche Weltsicht zur Folge haben. Für Humboldt ist jede Sprache somit der Ausdruck einer ganz bestimmten Weltsicht. Franzosen, Engländer, Deutsche etc. (oder auch die Menschen auf Java, deren Kawi-Sprache Humboldt ein großes Werk gewidmet hat) leben in einer jeweils eigenen sprachlichen und emotionalen Welt, die das wechselseitige Verstehen auch bei dem engagiertesten Bemühen um 'Übersetzung' mit einem großen Fragezeichen versieht. Mit diesen seinen Thesen bezüglich der Sprache wird Humboldt, bis ins 20. Jahrhundert hinein, zum Anreger und Wegweiser vieler Sprachtheoretiker. Mit seinen Ideen bezüglich der Prägung der Weltsicht einer Sprachgemeinschaft durch die Sprache nimmt er in gewisser Weise schon die Saphir-Whorf-Hypothese vorweg, auf welche ich in diesem Zusammenhang, obwohl sie zeitlich gesehen erst viel später entwickelt wurde, kurz eingehen möchte.

Die Saphir-Whorf-Hypothese (Anfang 20. Jhr.)

Die These: Sprache determiniert die Erfahrungswelt derjenigen, die sie benutzen, d.h. die Weltsicht einer Kultur und alles Denken sind vom jeweiligen Sprachsystem abhängig. Dies schließt mit ein, dass jeder Sprecher einer Sprachgemeinschaft denkerisch in die Sprache eingebunden ist und somit die Natur und seine soziale Umgebung nicht objektiv beschreiben kann. Nach der Saphir-Whorf-Hypothese gibt es kein sprachunabhängiges Denken. Die Hypothese wird von Whorf auch als linguistisches Relativitätsprinzip bezeichnet. Dies meint, dass sich menschliche Erkenntnis nur in Relation zu den strukturellen Möglichkeiten der Sprache vollziehen kann. Begründung der These: Die Grundlagen für die Saphir-Whorf-Hypothese sind sprachvergleichende Untersuchungen. Die Argumente und Beispiele für die These lassen sich insofern unterteilen, als dass sie sich entweder auf die Grammatik oder auf den Wortschatz beziehen. Wortschatz: Ein häufig angeführtes Beispiel für die Gültigkeit der Saphir-Whorf-Hypothese sind die Wortfelder zur Unterscheidung der Farbwahrnehmung. So gibt es in unterschiedlichen Sprachgemeinschaften unterschiedliche Einteilungen des Farbenspektrums (z.B. im Russischen zwei Wörter für die Farbe Blau), die sich konkret auf die Wahrnehmung, was in Experimenten nachgewiesen wurde, auswirken. Grammatik: In unterschiedlichen Sprachen gibt es unterschiedliche grammatikalische Strukturen, die in den Augen Whorfs eine unterschiedliche Weltsicht zur Folge haben. So ist z.B. in den SAE-Sprachen die Subjekt-Prädikat Struktur grundlegend für alle Sätze. Alle Aussagesätze verlangen nach einem Subjekt dem ein Prädikat zugesprochen wird. Dieses Schema ist selbst dann vorhanden, wenn entweder keine festumrissenen Identitätskriterien für ein Ding vorhanden sind (z.B. der Himmel ist blau) oder wenn Ereignisse beschrieben werden, bei denen kein echtes Subjekt als Akteur auftreten kann. In anderen Sprachen dagegen, wie z.B. bei den Hopi Indianern können Verben ohne Subjekt verwendet werden. Für Whorf kommen in diesen grammatikalischen Kategorisierungen unterschiedliche Weltsichten zum Ausdruck, wobei die Welt  im indoeuropäischen Sprachraum statischer gesehen wird, wohingegen die Hopi Indianer die Welt dynamischer wahrnehmen. Kritik: Da die Saphir-Whorf-These in vielen wissenschaftlichen Kreisen unverhältnismäßig stark angezweifelt wird, möchte ich ein Beispiel für die Kritik an ihr aufzeigen. Kritisiert wird die Vernachlässigung der sinnlichen Wahrnehmung, deren Einflüsse laut Whorf für den Wahrnehmungsprozess unbedeutend sind. Diese These etwas überspitzt ausgelegt, würde bedeuten, dass z.B. ein Indianer aus dem Tropenwald kein Auto erkennen würde, da es in seiner Sprache keinen passendes Wort für den Gegenstand Auto gibt. Diese These ist stark zu bezweifeln, da der Indianer mit Sicherheit das Auto wahrnehmen könnte, auch ohne Benennung. Ähnlich verhält es sich mit dem von Whorf angeführten Beispiel der Farbwahrnehmung. Da der Wahrnehmungsapparat bei allen Menschen annähernd gleich ist, müssten alle Menschen in der Lage sein die gleiche Vielzahl an Farbtönen und die gleichen Helligkeits- bzw. Sättigungsgrade zu unterscheiden. Diese Vermutung wird von Experimenten, bei denen die Existenz von sog. Fokalfarben festgestellt wurde, bestätigt. Das Sprachsystem beeinflusst somit zwar den Wahrnehmungsprozess, da es eine bestimmte farbliche Unterscheidung nahe legt, ist aber nicht verantwortlich für eine vollkommen unterschiedliche Wahrnehmung der Menschen aus verschiedenen Sprachgemeinschaften.

Wittgenstein (1889 - 1951)

Tractatus logico-philosophicus Der „Tractatus“ ist eine kurze, schwer verständliche Schrift und besteht aus aphorismusartigen Sätzen die durch Dezimalzahlen nummeriert sind, so dass z.B. „5.1“ eine Weiterführung des Satzes 5 ist. Der Tractatus ist aus mehreren Gründen schwer Verständlich:
  1. Er ist äußerst komprimiert geschrieben.
  2. Ein umfassendes Verstehen setzt die Kenntnis der Lehren von Russel und Schlegel voraus.
  3. Wittgenstein verwendet  zwar Alltagsbegriff, diese weisen aber einen von der Alltagssprache abweichenden Inhalt auf.
Kleine Beispiele aus dem Tractatus:
  1. Die Welt ist alles, was der Fall ist.
  2. Was der Fall ist, die Tatsache, ist das Bestehen von Sachverhalten
  3. Das logische Bild der Tatsachen ist der Gedanke
  4. Der Gedanke ist der sinnvolle Satz
  5. Der Satz ist eine Wahrheitsfunktion der Elementarsätze.

Zusammenfassung:

In seinem „Tractatus“ will Wittgenstein beschreiben, was ist. Laut ihm sind es die Tatsachen, die sind. Im Vergleich zur herkömmlichen Sicht, dass die Welt das Gesamt der Dinge sei, lässt sich der Unterschied einfach darlegen: ein Ding ist z.B. ein Lutscher, dagegen ist eine Tatsache z.B. die rosa Farbe des Lutschers. Anstelle von Tatsachen spricht Wittgenstein auch vom Bestehen von Sachverhalten. Ein Sachverhalt seinerseits ist die Verbindung von Gegenständen. Es gibt nun einfache und komplizierte Sachverhalte, wobei sich die komplizierten auf die einfachen zurückführen lassen. Diese einfachen Sachverhalte bilden – so Wittgenstein – die eigentliche Realität. Sachverhalte stellen den Gegenstand von Sätzen dar, wobei die komplizierten Sachverhalte komplizierte Sätze bilden, wohingegen die einfachen Sachverhalte ihrerseits einfache Sätze, die auch Elementarsätze genannt werden, bilden. Da bei den Sätzen ebenfalls der Zusammenhang gilt, dass sich die komplizierten Sätze auf die einfachen zurückführen lassen, kann man über die Analyse der Sätze zur Wirklichkeit der Welt gelangen. Die Berührung zwischen der Welt und den Sätzen findet dabei zwischen den einfachen Sachverhalten und den Elementarsätzen statt. Diese nicht weiter begründete Voraussetzung bringt Wittgenstein zur Aussage, dass die Angabe aller wahren Elementarsätze die Welt vollständig beschreibe. Wittgenstein verdeutlicht das Verhältnis zwischen Sachverhalten und Sätzen, indem er den Bildbegriff einführt. Der Satz ist ein Abbild der Wirklichkeit, da er die logische Struktur des Sachverhaltes wiedergibt. Die logischen Strukturen sind den Sachverhalten wie auch den Sätzen gemeinsam und deshalb zeigt „der Satz die logische Form der Wirklichkeit“. Aus diesen Gedanken ergibt sich, dass die Aufgabe der Philosophie somit in der logischen Klärung der Gedanken besteht. Wittgenstein geht noch einen Schritt weiter, indem er behauptet, dass alles, was gedacht werden könne, klar gedacht werden könne und dass alles, was sich aussprechen ließe, klar ausgesprochen werden könne. Letztlich kann dieses Prinzip aber nur auf die Naturwissenschaften zutreffen und somit kommt Wittgenstein zur Auffassung, dass die Gesamtheit der Naturwissenschaften alle wahren Sätze darstelle und verwirft das darüber hinausgehende, insbesondere das Metaphysische, weil es weder klar denkbar, noch klar sagbar sei. Allerdings geht Wittgenstein nicht soweit zu behaupten, dass es alles, was nicht klar denkbar und aussprechbar ist, nicht gebe. Fragen wie die nach dem Sinn des Lebens, der Ethik, der Existenz eines Gottes, ... , bezeichnet Wittgenstein als das Mystische. Das Ethische ist „kein Sachverhalt“, zeigt sich aber dennoch. Zum Zweiten ist das Leben mystisch, dessen Rätsels Lösung für Wittgenstein außerhalb der Zeit liegt. Zum dritten befindet sich das „Ich“ ebenfalls in der Sphäre des Mystischen. „Das Subjekt gehört nicht zur Welt, sondern ist eine Grenze der Welt.“ Es ist „das tief Geheimnisvolle“. Viertens ist das Dasein der Welt mystisch. Das gleiche gilt fünftens für den Sinn der Welt. Trotz seines Kampfes gegen alles Undenkbare und Unaussprechbare geht Wittgenstein trotzdem auf Gott ein, indem er ihn als das beschreibt wovon wir abhängig sind, nämlich das Schicksal, oder die von uns unabhängige Welt.

Philosophische Untersuchungen

Wittgensteins „Philosophische Untersuchungen“ wurden von diesem im Bewusstsein kein abgeschlossenes Werk vorlegen zu können zur Veröffentlichung freigegeben. Die „Philosophischen Untersuchungen“ beschreiben vielmehr „Landschaftsskizzen, die auf langen und verwickelten Fahrten“ entstanden. Diese haben oft den Charakter eines Dialogs, den der Autor mit sich selbst führt, indem er sich Fragen stellt und Einwände erhebt, oder indem er das Wort an einen (fingierten) Gesprächspartner richtet. In seinen „Philosophischen Untersuchungen“ verwirft Wittgenstein beinahe alle Gedankengänge des „Tractatus“, von dem er nach dessen Entstehung noch behauptet hatte, alle wesentlichen philosophischen Probleme seien nun gelöst. Wittgenstein wird die Behauptung, die Welt bestehe aus Tatsachen zweifelhaft, genauso wie die Annahme, die Welt werde in den Elementarsätzen richtig abgebildet. Weiterhin verwirft er seine Lehre vom Mystischen, was das Gedankengebäude des „Tractatus“ völlig einstürzen lässt. Der neue Ansatz Wittgensteins in den „Philosophischen Untersuchungen“ ist geprägt von der Annahme, dass die philosophischen Schwierigkeiten und die Verirrungen des Denkens von der Mehrdeutigkeit der Sprache/Worte herrühren. Die Vieldeutigkeit eines Wortes liegt darin begründet, dass es je nach Verwendung und Zusammenhang seinen Sinn ändert. Es ist somit nicht möglich einem Wort eine eindeutige (philosophische) Definition zu geben. Seine Bedeutung liegt vielmehr im Sprachgebrauch, in seiner Verwendung in der Sprache. Die Aufgabe der Philosophie ist demnach die Klärung der Bedeutung eines Wortes in seinen verschiedenen Kontexten. Nun gibt es eine Fülle von Fällen in denen Sprache und die damit verbundene Bedeutungsänderung der Worte auftritt. Es gibt viele Sprachwelten. Je nach ihrer Verschiedenheit ändert sich der Sinn der Worte. So hat zum Beispiel das Personalpronomen „Du“ in einem Liebesbrief eine gänzlich andere Bedeutung, als bei einer Drohung. Wittgenstein nennt die verschiedenen Bereiche, in denen jeweils eine andere Form der Bedeutung vorkommt, „Sprachspiele“. Als Beispiel der Verschiedenartigkeit der jeweiligen Sprachspiele führt Wittgenstein unterschiedliche Bereiche an, in denen Worte ihre Bedeutung ändern: „Befehlen, und nach Befehlen handeln – Berichten eines Herganges – eine Geschichte erfinden – einen Witz erzählen – Bitten – Danken – Fluchen – Grüßen – Beten - ....“ Wittgenstein beschreibt die Sprache demnach als ein Spiel, in welchem wir die Worte, wie in einem Schachspiel die Figuren, nach bestimmten Regeln anordnen. Der Sprechende operiert mit Worten und Sätzen wie ein Schachspieler mit seinen Figuren nach bestimmten, im vornherein festgesetzten Regel, die den am Sprachspiel Beteiligten geläufig sein müssen. Allerdings ist eine abschließende, präzise Kodifizierung der Sprachspiele nicht möglich, da alleine die außersprachlichen Umstände, wie z.B. die Situation des Sprechenden, mit in Betracht gezogen werden müssten. Nach Wittgenstein liegt die Bedeutung der Philosophie somit in der Bewahrung des Denkens vor den Fallen, welche die Sprache ihm stellt. Die Rettung aus der Verwirrung aller über die Jahre aufgehäuften, philosophischen Probleme liegt in der Aufdeckung der jeweiligen Sprachspiele. Die Philosophie soll somit rein „deskriptiv“ werden, indem sie die verschiedenen Gebrauchsweisen von Worten untersucht: „Alle Erklärung muss fort, und nur Beschreibung an ihre Stelle treten.“ Die Aufgabe, welche Wittgenstein der Philosophie zuweist, nämlich die Gebrauchsweise von Worten zu untersuchen, mutet auf den ersten Blick im Vergleich zu den Ansprüchen vorheriger Denker bescheiden an. Doch unser Denken von den ständigen Verführungen und Irreführungen durch die Sprache, in welche es unentwirrbar verstrickt ist, zu befreien ist eine Sisyphos-Arbeit, die wohl nie ein Ende nehmen kann. Mit Wittgenstein sind wir am „Höhepunkt“ der Sprachphilosophie angelangt, da alle philosophischen Probleme durch die Untersuchung und Betrachtung der Sprache gelöst werden sollen. Die Sprache nimmt sowohl in seinem ersten Werk, als auch im Zweiten die zentrale Rolle philosophischer Reflexion ein. Die Sprache wird zum Schlüssel zur zumindest teilweisen Erschließung der Welt.

Problem der Bedeutung eines Ausdrucks

Im Anschluss an Wittgenstein möchte ich mich dem Problem, wie wir von den physikalischen und sprachlichen Gegebenheiten (Schallwellen, ...) zur inhaltlichen Bedeutung der Sprache gelangen, beschäftigen. Im Laufe der Philosophiegeschichte haben sich drei Ansätze zur Erklärung dieses Problems durchgesetzt. 1.) Vorstellung: Die nächstliegende Antwort scheint zu sein, dass Vorstellungen aus bloß syntaktischen und physikalischen Ereignissen auch sprachliche Ereignisse machen. Vorstellungen sind seelische Ereignisse, welche den Ausdrücken ihre Bedeutung verleihen. Diese These lässt sich auf Aristoteles zurückführen. Die Schriftzeichen verweisen auf die Lautzeichen, diese auf die Vorstellung und die Vorstellung wieder auf die Dinge „an sich“. Kritik: Die Kritik bezieht sich auf die Subjektivität der Träger der Vorstellung, denn wie kann man sicher sein, dass die Vorstellungen verschiedener Träger die gleichen Dinge bezeichnen. Die Bedeutung eines Ausdrucks kann also nicht in der subjektiven Vorstellung einzelner Träger liegen, da die Bedeutung verschiedener Dinge nicht subjektiv oder privat sein können. 2.) Der Sinn: Gottlob Frege (1848 bis 1925) hat, um diesem Einwand der Subjektivität der Vorstellungen zu entgegnen den „Sinn“ eingeführt. Der Sinn bezeichnet die „Art des Gegebenseins“ eines Gegenstandes und ist laut Freges Definition nicht subjektiv, sondern objektiv gültig. Danach beziehen die Wörter ihre Bedeutung aus Vorstellung und Sinn. Kritik: Der berechtigte Einwand ist hier ähnlich, wie bei dem der Vorstellung: Dass Vorstellungen dieselben sind ist ja nur eine Forderung, für die kein Beweis erbracht werden kann, was auch für Freges „Sinn“ zutrifft. Die Konstruktion eines allgemeingültigen „Sinns“ bedeutet somit nur die Verlagerung des bei der Vorstellung schon bestehenden Problems auf einen anderen Ausdruck. 3.) Der Gebrauch: Nach Ludwig Wittgenstein sind es weder Vorstellung noch „Sinn“, die einem Ausdruck seine Bedeutung verleihen. Laut ihm ist die „Bedeutung eines Wortes sein Gebrauch in der Sprache“. Dies heißt also: Erst der Gebrauch in der Sprache verleiht einem Wort seine Bedeutung. Der Sprachgebrauch wiederum orientiert sich an den Gepflogenheiten der Wortverwendung. Diese veranlassen uns Wörter nach bestimmten Regeln zu gebrauchen. Wir folgen also der gleichen Regel, wenn es uns gelingt uns zu verständigen. Nach Wittgenstein ist es also nicht die Vorstellung oder der „Sinn“, welche die Gebrauchsregeln bestimmen, sondern es bestimmen vielmehr die Gebrauchsregeln die seelische Bedeutung und den „Sinn“. Den Gebrauchsregeln einer Sprachgemeinschaft folgen wir blind, d.h. ohne eine Rechtfertigung zu verlangen und bekommen sie durch soziales Training angelernt. Die Ursache, warum wir uns nach den Regeln einer Sprachgemeinschaft richten, liegt somit im sozialen Training, dem wir in einer Gesellschaft von Kindesbeinen an unterworfen sind. Kritik: Das letztlich nicht lösbare Problem an Wittgensteins Theorie ist, warum wir den angelernten Sprachkonventionen folgen. Wittgensteins Antwort auf diese Frage würde wohl lauten: „Nur beschreiben kann man hier und sagen: so ist das menschliche Leben.“ Quellen
  • Hans Joachim Störig: Kleine Weltgeschichte der Philosophie
  • E. Martens, H. Schnädelbach: Philosohie ein Grundkurs Band 2
  • Eugenio Coseriu: Die Geschichte der Sprachphilosophie von der Antike bis zur Gegenwart
  • Rafael Ferber: Philosophische Grundbegriffe Eine Einführung
  • Ralf Ludwig: Die Vorsokratiker für Anfänger
  • Wilhelm Weischedel: Die philosophische Hintertreppe
  • Uwe Neumann: Augustinus
  • http://plaz.upb.de/lehrerbildung/PLAN/plan.php?id=sw0158
  • http://www.hausarbeiten.de/rd/faecher/hausarbeit/pha/21591.html
  • http://culturitalia.uibk.ac.at/hispanoteca/Lexikon%20der%20Linguistik/h/HUMBOLDT%20Wilhelm%20von.htm
  • http://www.uni-essen.de/literaturwissenschaft-aktiv/Vorlesungen/gegenstand/humboldt.htm
  • http://www.linse.uni-essen.de/linse/esel/kategorien/sprachphilo_theo.php
  • http://www.linse.uni-essen.de/linse/esel/arbeiten/humboldt.html

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